"Auf Wikileaks lassen sich Dokumente einsehen, die eigentlich nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das ärgert viele, doch es ist gut für die Welt." (Zeit Online).
Wow, denk ich mir zunächst und halte den Atem an: A small leak in an organisation, a big leap for mankind. Eine Web 2.0 Rakete gegen die Bösen der Welt. Das Time Magazine sagt:
"... could become as important a journalistic tool as the Freedom of Information Act," (
WikiLeaks), DIE ZEIT wiederholt, variiert auf hohem Niveau, fühlt offenkundig das Unbehagen an der Deutschen Geschichte und löst das Problem:
"Der Vorstand des Whistleblower-Netzwerks e.V. hat eine öffentliche Stellungnahme herausgegeben, in der die Bilanz zu Wikileaks eher kritisch ausfällt: 'Wikileaks kann Aufklärung anstoßen und einfordern, leistet sie aber bisher kaum.' Dies berge eine erhöhte Gefahr für Angeschuldigte, insbesondere wenn es um Einzelpersonen geht denen keine Medienmacht zur Richtigstellung und zum Zurückschlagen zur Verfügung stünde. (...)
Das allerdings zeugt von einem Denkfehler. Denn Wikileaks behauptet nicht, die Relevanz der Dokumente zu kennen, Wikileaks überprüft lediglich, ob das Dokument selbst echt ist."
Netter Versuch. Genausowenig wie man Lecks mit Lecks stopfen kann, kann man einen (vermeintlichen) Denkfehler mit dem nächsten korrigieren. Den Gründern und Betreibern von Wikileaks unbenommen: die gute Absicht, ebenso die reale, positive Kraft der Plattform im politischen Diskurs. Es bleibt die Frage: kann man Verantwortung, ob journalistisch oder politisch, outsourcen? Do we have a cultural history of defamation - and where has it got us?
norte - 21. Sep, 12:15