Ach du liebe Zeit ...

Vor ein paar Jahren hat man noch Agenturen angeheuert, die man dafür bezahlte, dass sie einem an irgendeinem Flughafen mit gezückter Kamera erwarten, um einem das Gefühl zu geben, dass man jemand ist. Heute brauchen wir das nicht mehr. Wir fühlen uns wichtig, so wichtig zumindest, dass wir jedes noch so unbedeutende Detail aus unserem Leben mitteilen, posten. Aber vielleicht ist latente Selbstüberschätzung ja gar nicht der Grund dafür.

Vielleicht ist der Mythos des Online-Seins, der Anwesenheit, den das Internet bereitstellt, schuld daran, dass die Privatheit wie ein Fluch auf uns lastet. Dass wir gar nicht anders können, als zu publizieren, uns zu vervielfältigen, um sicher zu gehen, dass wir real und am Leben sind. "Seht her, ich bin da" - tönt es aus allen Communities. Denn solange wir privat sind, sind wir nicht. Da ignorieren wir lieber, dass ja eigentlich gar niemand wissen wollen kann, dass wir gerade laufen, müde sind, kochen, Liebe machen oder sonstwas tun.

Robert Misik schreibt im ALBUM des Standard dieses Wochenende einen sehr gescheiten Text, "in dem steht, wie absurd es ist, dass wir aller Welt twittern, was wir gerade tun" und kompiliert dabei so wunderschöne Einsichten wie die von Adam Soboczynski, dass vor dem Hintergrund der Auflösung alter Dualitäten "Feierabend heute nur mehr ein Unterschichtenphänomen ist. Die Bäckereifachangestellte wird gewiss nicht abends noch vom Bäcker angerufen wegen diesem oder jenem. Es sei denn sie hat ein Verhältnis mit ihm."

donttwitterme4Leider verlässt ihn ganz am Schluss sein Scharfsinn. Denn zu behaupten, dass "das Banale aufhört, banal zu sein, allein dadurch, dass ich es öffentlich mache und die Spießigkeit sogar erträglich wird" kann nur einer, der Angst hat, zu den Kulturpessimisten, zu den Konservativen gezählt zu werden. Seiner Affirmationsgeste am Ende seines Textes wollen wir an dieser Stelle folgenden überholten, weil (modern) dialektischen Gedanken von Theodor W. Adorno entgegenhalten, den ich folgendermaßen in Erinnerung habe: "Mit der Freiheit, die uns die Kulturindustrie verspricht, verhält es sich so, wie mit der Flucht der Tochter aus dem elterlichen Haus. Der Vater selbst hält im Dunkeln die Leiter."

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ALMBLITZ ...

... happens when shepherds and dairymaids in the mountains come together once a while. It's a narrative flash, it's stories, faces, specially charged moments in time. It's about making content happen.

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