Ich war richtig aufgeregt, als ich endlich im Auto saß Richtung Rofan. Auch weil das Ziel, der Mesnerhof, es offenbar lustig fand, bunte Bilder gegen das Dach meiner hinteren Schädelgrube zu werfen.
Und wie um die Neugierde auf die Spitze zu treiben beschloss ich nach einer Weile einen Umweg, einen Andersweg statt über das geschäftige Inntal über den Schliersee und den Tegernsee zu nehmen, auch wenn Teile dieser Route über die Ränder meiner Österreich-Karte hinaus- und über die Polsterbezüge des leeren Beifahrersitzes weiterliefen. Ja, Sie haben richtig gehört. Ich fahre immer noch mit Karte - und Kompass, wenn es sein muss - und reise ohne das Begleitgeräusch eines Navigationsgeräts. Dafür bleibe ich selten in Unterführungen stecken und bedeute für die Kühe auf den Feldern keine wirkliche Gefahr.
Aber zurück zum Ziel meiner Reise, dem
Mesnerhof in Steinberg am Rofan, der viel mehr als ein Hof sein will und viel mehr als ein Hof ist. Zunächst ist er ein Ensemble aus 3 Gebäuden, die zusammen einen Raum aufmachen, der dem Platz vor dem Kirchenwirt, als es ihn noch gab, sicherlich ebenbürtig war.
Georg Gasteiger nennt diesen Raum, der sich zwischen den Objekten auftut, auch gerne seine PIAZZA und wenn man genau hinsieht, dann ist dort – nach dem Schleifen des Kirchenwirts – auch wirklich das Zentrum von Steinberg, das – aus welchen Gründen auch immer – seit Jahrzehnten vom Tourismuserschließungskommando übersehen wird. Diesem Umstand verdankt der Besucher – solange er den Blick nicht allzu sehr schweifen lässt – ein paar, beinahe unbeschädigte Ansichten einer ländlichen Kultur, die irgendwann das Dorf verlassen, die Alm jedoch nie erreicht hat.
Georg ist seit knapp einem Jahr der neue Besitzer des Mesnerhofs, der ihm alles ist – mit seiner schwebenden Tenne ein Refugium seiner Träume und mit seinen feuchten Mauern eine handfeste Hypothek. Dass die Leichtigkeit die Oberhand behält und der frische Wind von Menschen und Unternehmen, die bereit sind, dieses Privileg mit ihm zu teilen (
wie sie ein Mesnerhof-Privileg erwerben können, finden Sie hier), dabei hilft, die alten Mauern trocken zu legen und ein Ideenzelt über diesen Hof – oder besser noch das ganze Plateau zwischen Guffert und Rofan – zu spannen, das leuchtet und wächst – das wünsche ich ihm von ganzem Herzen.
Georg im O-Ton:
„Es ist etwas in uns, das uns zu Neuem treibt. Es gibt Orte, die man mit anderen teilen will. Es gibt Ideen, für die wir eine merkwürdig freudvolle Leidenschaft entwickeln. Und schließlich ist da die Sehnsucht, die Sehnsucht etwas zu schaffen, das Sinn macht und bleibt.“
coyote05 - 4. Aug, 17:10